Den Buchenblättern zuvorkommen: Frühblüher

Im zeitigen Frühjahr, bevor die Bäume ihr Laub entwickeln, erscheinen in den Buchenwäldern des Teutoburger Waldes eine Reihe von Pflanzenarten, die einen auffälligen Lebensrhythmus haben, die sogenannten Frühblüher. Dies sind Pflanzen, die sehr früh im Jahr austreiben, ihre gesamte Entwicklung von der Entfaltung der Blätter und Blüten bis zur Fruchtbildung schnell durchlaufen und auch früh wieder welken. Wenn die Buchen ab Anfang Mai voll belaubt sind, kann man die meisten dieser Arten nicht mehr blühend finden, bei einigen sind dann sogar alle oberirdischen Teile wieder abgestorben.

Frühblüher im Buchenwald
Frühblüher im Buchenwald (© Peter Rüther, Biologische Station Senne)

Warum blühen diese Pflanzen so früh, in einer so unwirtlichen Zeit? Unter welchen Bedingungen sind sie überhaupt dazu in der Lage?

In Buchenwäldern gelangt vor der Belaubung reichlich Licht auf den Waldboden. In der Laubstreu und der obersten Bodenschicht kommt es daher zu einer raschen Erwärmung. Die Wärme begünstigt das frühe Austreiben der Frühblüher. Damit die Pflanzen ihre Entwicklung auch abschließen, bevor das Blätterdach geschlossen ist, müssen sie in dieser Zeit ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgt sein. Ihre Standorte dürfen also weder zu trocken noch zu nährstoffarm sein.

Hohler Lerchensporn im Frühling
Hohler Lerchensporn im Frühling (© Peter Rüther, Biologische Station Senne)

Eine weitere wichtige Voraussetzung zum Erfolg dieser Lebensform ist im Bau der Pflanzen begründet. Alle Frühblüher haben unterirdische Speicherorgane, in die sie im Lauf des Sommers Nährstoffe für den Austrieb im nächsten Frühjahr einlagern. Die Speicherfunktion können verschiedene Organe der Pflanzen übernehmen. Bei den Zwiebeln von Bärlauch, Scheeglöckchen und Märzenbecher sind es fleischige Blätter (wie bei der Küchenzwiebel auch). Das Scharbockskraut legt den Nährstoffvorrat in knollig verdickten Wurzeln an, der hohle Lerchensporn in einer Sproßknolle. Leberblümchen, Buschwindröschen und Bingelkraut speichern ihre Reservestoffe in unterirdisch kriechenden Sprossen, sogenannten Rhizomen.